Angst um den Euro - wie sicher ist unser Geld?
Freie Wähler im Informationsgespräch mit Volkswirtschaftler Prof. Dr. Wilhelm Hankel
09.09.2011
Landshut (do). Die FREIE WÄHLER Landtagsfraktion hat am Donnerstag auf Initiative der Landtagsabgeordneten Jutta Widmann den Volkswirtschaftler und Währungskritiker Prof. Dr. Wilhelm Hankel zu einem Informationsgespräch über die Eurokrise nach Landshut eingeladen. Der ausgewiesene Währungsexperte gehört zu den Eurokritikern der ersten Stunde und hat bereits mehrfach vor dem Bundesverfassungsgericht Klage eingereicht, unter anderem gegen die Einführung des Euro und weitere Milliardenhilfen. „Das Thema Euro bewegt die Menschen, und wir wollten dieses Thema auch einmal kritisch hinterfragen, daher freue ich mich, dass wir Herrn Prof. Hankel nach Landshut holen konnten“, erklärte MdL Jutta Widmann. Rund 400 interessierte Bürgerinnen und Bürger verfolgten in Landshut aufmerksam eine kritische Auseinandersetzung mit dem Euro und der aktuellen Krise.
„Der Euro ist gescheitert, das Abenteuer einer gemeinsamen Währung für 17 unterschiedliche Länder geht zu Ende“, konstatierte Hankel. Der Euro vereine zu viele unterschiedliche Länder, Kulturen und Wirtschaftssysteme und könne auf Dauer nicht funktionieren. Das sei in etwa so, als wenn ein Schneider einen Maßanzug für 17 unterschiedlich große, dicke und dünne Menschen anfertigen solle. Dieser platze dann letztlich aus allen Nähten. Ähnlich, so Hankel, ergehe es aktuell dem Euro. Enttäuscht zeigte sich Hankel über die aktuelle Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Klage gegen weitere Milliardenhilfen. Leider sei diese abgewiesen worden, somit stehe weiteren Milliardenkrediten für Griechenland nichts mehr im Weg. Dies sei jedoch keine sinnvolle Lösung und auch keineswegs „alternativlos“, wie häufig als Rechtfertigung angeführt werde. Griechenland und Co. könnten ökonomisch nur außerhalb des Euro langfristig bestehen.
„Wir brauchen entweder eine deutlich verkleinerte Eurozone der starken Staaten oder ein Zurück zu den einzelnen nationalen Währungen vor der Einführung des Euro“, so Hankel. Mittels einer eigenständigen Währungspolitik könnten die einzelnen Staaten besser auf Krisen reagieren. Der Euro habe Europa nicht, wie politisch gewollt, näher zusammengebracht, sondern einen Keil zwischen die Länder getrieben. Einzelne ökonomisch starke Länder könnten nicht auf Dauer für die schwachen Länder zahlen, dies sei auch der Bevölkerung nicht zu vermitteln. Leider fänden diese Argumente bei den meisten politischen Parteien kein Gehör; diese würden sich zu sehr auf Europa und zu wenig auf die Interessen Deutschlands und seiner Bevölkerung konzentrieren.
Europa habe bereits vor der Einführung des Euro in vielen Bereichen gut zusammengearbeitet, das Ende des Euro bedeute nicht automatisch den Zusammenbruch Europas. „Wir müssen die Fehlkonstruktion Euro jetzt korrigieren und zurück zu einem Europa der eigenverantwortlichen Staaten“, forderte Hankel. Früher oder später, so sein Fazit, werde die Währungsunion aufgrund der unüberbrückbaren Differenzen auseinanderbrechen.
Ähnlich äußerte sich auch MdL Jutta Widmann: „Griechenlandhilfen und Rettungsschirme sind keinesfalls alternativlos; wir müssen alle Möglichkeiten öffentlich diskutieren und erst dann entscheiden“. Kritisch sieht Widmann auch den Entscheidungsdruck, gerade bei solch wichtigen Entscheidungen, die langfristige finanzielle Folgen für Deutschland haben, dürfe nicht vorschnell entschieden werden. „Es stellt sich auch die Frage, ob es nicht wünschenswert wäre, bei so weitreichenden Entscheidungen künftig den Bürger direkt zu befragen, immerhin haben diese Entscheidungen schwerwiegende Folgen für den deutschen Steuerzahler“, so Widmann zum Abschluss der Veranstaltung.








