Gottstein: Frühkindliche Bildung zahlt sich später vielfach aus

An potentiellen Diskussionsteilnehmer mangelte es nicht
MdL Claudia Jung, Ludwig Selzam, MdL Eva Gottstein, Dr. Hans Kopp, Lisa Huber, Prof. Dr. Heiner Böttger, MdL Ulrike Müller
Das Podium (v.l.): MdL Ulrike Müller, Lisa Huber, Dr. Hans Kopp, MdL Eva Gottstein, Prof. Dr. Heiner Böttger, Ludwig Selzam
MdL Eva Gottstein gab eine Einführung zum Thema
Impulsreferat "Wo die Sprache zu Hause ist" von Prof. Dr. Heiner Böttger
Fraktionschef Hubert Aiwanger diesmal auf der anderen Seite des Podiums

München (do). Die FREIEN WÄHLER haben am Dienstagabend im Bayerischen Landtag einen Parlamentarischen Abend veranstaltet und dabei rund 100 interessierte Gäste begrüßen können. Unter dem Motto „Mehr Chancengleichheit durch frühkindliche Bildung“ diskutierten Politiker, Erziehungswissenschaftler und Logopäden über Wege von der frühkindlichen Betreuung hin zu einem breit angelegten frühkindlichen Bildungsangebot.

Claudia Jung, MdL und familienpolitische Sprecherin der FREIE WÄHLER Landtagsfraktion, eröffnete den Abend mit der Feststellung, das Thema „Frühkindliche Bildung“ stehe inzwischen weit oben auf der politischen Agenda, auch wenn es noch erheblichen Nachholbedarf gebe: „Dank der schockierenden Ergebnisse der ersten PISA-Studien sowie den Lehren aus den OECD-Studien zur Familienpolitik kennen wir inzwischen die Probleme sehr genau. Wenn wir jedoch schon ein- und zweijährigen Kindern frühkindliche Bildung anbieten wollen, benötigen wir in Bayern deutlich mehr Kita- und Tagespflege-Angebote.“

Diesen Gedanken unterstützte auch Eva Gottstein, MdL und bildungspolitische Sprecherin der FREIE WÄHLER Landtagsfraktion: „Wir müssen weg vom reinen Betreuungsdenken und hin zu mehr Erziehung, mehr Vermittlung von Wissen und Werten – auch und gerade für unsere Jüngsten. Wie soll ganzheitliche Bildung funktionieren, wenn wir diese in Bayern auf drei nicht ausreichend vernetzte Ministerien für Soziales, für Kultus und für Hochschule/Forschung verteilen?“ Gottstein forderte in ihrem Plädoyer, das Kind müsse stets im Mittelpunkt stehen. „Das bedeutet, bezogen auf frühkindliche Bildung, mehr Zeit für das einzelne Kind und seine Eltern - die zusätzlichen Kosten zahlen sich bereits beim Schuleintritt  allerdings aus.“

Prof. Dr. Heinrich Böttger von der Katholischen Universität Eichstätt forderte den Ausbau der Sprachförderung an Kindertageseinrichtungen, da bereits im fünften und sechsten Lebensjahr fast alle Grundlagen für den Spracherwerb vorhanden seien. Frühkindliche Bildung bei Kindern mit Migrationshintergrund bedeute neben der Deutschförderung unbedingt auch die Förderung der Herkunftssprache - sonst beherrschten Kinder später meist beide Sprachen schlecht.

Zuerst müsse festgestellt werden, welches Kind welche Förderung benötige, so Lisa Huber, 1. Vorsitzende des Deutschen Bundesverbandes für Logopädie Bayern. Ärzte entschieden darüber, stünden dabei jedoch unter starkem Druck der Krankenkassen. Heilpädagogische Maßnahmen würden daher oft aufgeschoben, was für das Selbstbewusstsein der Kinder verheerend sei - denn diese spürten instinktiv, dass sie etwas schlechter können als andere. Sprachförderung müsse sich jedoch an alle Kinder richten und vor allem alltagsorientiert sein.

Auch Fehlentwicklungen bei der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention wurden auf der Veranstaltung thematisiert. Ludwig Selzam, 1. Vorstand des evangelischen KITA-Verbandes Bayern beklagte, die wünschenswerte Integration von Kindern mit Handicap an Kindertagesstätten drohe inzwischen zu Einsparungen im Bereich der hoch­qua­lifizierten Heilpädagogen zu führen. Dr. med. Hans Kopp, stellvertretender Vorsitzender der Vereinigung für interdisziplinäre Frühförderung, ergänzte, dazu dürfe es nicht kommen; Städten und Gemeinden müssten vom Freistaat mehr Mittel für diese Zusatzaufgaben zugestanden werden, um sicherzustellen, dass die Soziale Inklusion bereits an den Kindertagestätten stattfinde.

Ulrike Müller, MdL und Leiterin des Arbeitskreises Gesundheit, Soziales, Umwelt und Landwirtschaft der FREIEN WÄHLER, betonte in ihrem Schlusswort: „Wir werden uns auch künftig im Interesse der Kinder um einen deutlichen Ausbau der Fortbildungsmaßnahmen für Erzieherinnen bemühen. Wir fordern kleinere Kita-Gruppen und mehr Betreuerinnen - leider mussten wir die Staatsregierung jedoch erst kürzlich eigens daran erinnern, dass sich in ihrem Koalitionsvertrag das Ziel eines kostenfreien Kindergartenjahrs findet. Man hatte es wohl ‚vergessen‘ – ein Armutszeugnis für CSU und FDP!“

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