Antrag der Abgeordneten Hubert Aiwanger, Tanja Schweiger, Prof. Dr. Michael Piazolo, Dr. Hans Jürgen Fahn, Markus Reichhart und Fraktion (FW)
Bericht zu den Auswirkungen der demographischen Entwicklung auf das kulturelle Leben in Bayern und zu den geplanten kulturpolitischen Konsequenzen
Der Landtag wolle beschließen:
Die Staatsregierung wird aufgefordert, einen Bericht vorzulegen, der Auskunft über die Auswirkungen der demographischen Entwicklung auf das kulturelle Leben in Bayern gibt und die von der Staatsregierung ergriffenen bzw. geplanten kulturpolitischen Gegenmaßnahmen bzw. Handlungsfolgen skizziert. Folgende Fragestellungen sind in diesem Zusammenhang von besonderer Relevanz:
1. Wie beurteilt die Staatsregierung die Folgen der demographischen Entwicklung für das kulturelle Leben in Bayern?
─ Wie wird sich das kulturelle Engagement von Laien (z.B. Laienschauspieler, Laiensänger, ehrenamtliche Museumsführer, Bibliotheksmitarbeiter, Mitglieder im Heimatverein) verändern? Welche Folgen hat dies für die betroffenen kulturellen Einrichtungen und Projekte?
─ Wie werden sich Zahl und Zusammensetzung der professionellen Kulturschaffenden in Bayern verändern (in den Künsten, in den Creative Industries)? Welche Folgen hat dies für die betroffenen kulturellen Einrichtungen und Projekte sowie für die Kulturwirtschaft?
─ Wie wird sich die demographische Entwicklung auf Angebot und Nachfrage nach kulturellen Aus- und Weiterbildungen auswirken?
─ Wie wird sich die Nachfrage nach kulturellen Angeboten entwickeln und welche Folgen wird das – der Staatsregierung zufolge − für Quantität, Qualität und Zusammensetzung des staatlichen bzw. privaten Kulturangebots in Bayern haben?
─ Wie wird sich die demographische Entwicklung auf die Pflege von kulturellen Traditionen in Bayern und auf das Potenzial für kulturelle Kreativität und Innovation auswirken?
─ Sind unterschiedliche Folgen der demographischen Entwicklung in städtischen und ländlichen Regionen zu erwarten und wenn ja, welcher Art?
2. Welche kulturpolitischen Konsequenzen zieht die Staatsregierung aus den prognostizierten Folgen des demographischen Wandels für das kulturelle Leben in Bayern?
─ Sind Gegenmaßnahmen ergriffen worden bzw. geplant, um die Folgen des demographischen Wandels auf das kulturelle Leben in Bayern zu kompensieren?
─ Soll das kulturelle Angebot insgesamt gekürzt bzw. erweitert werden? Welche Regionen und Kultursparten sind jeweils davon betroffen?
─ Sollen regionale Kultureinrichtungen stärker kooperieren, um sinkende Besucherzahlen zu kompensieren?
─ Sollen neue Personenkreise für die Rezeption kultureller Angebote gewonnen werden, um die Nachfrage zu erhöhen? Welche Gruppen kommen dafür in Frage und wie soll die Ansprache erfolgen?
─ Wie sollen kulturelle Talente künftig gefördert und ausgebildet werden? Wie wird einem kulturellen Fachkräftemangel in den Künsten und den Creative Industries vorgebeugt?
─ Sind Programme geplant, um Senioren für kulturelles Engagement zu gewinnen (z.B. als Kulturpaten für bildungsferne Kinder)?
─ Welche integrationspolitischen Maßnahmen sind geplant, um Migranten für die aktive Teilnahme am kulturellen Leben in Bayern zu gewinnen und den Kulturaustausch zu fördern?
─ Sind Programme zur Steigerung der kulturellen Kreativität und Innovation geplant?
─ Wie kann dem „Aussterben“ von bayerischen Kulturtraditionen begegnet werden?
─ Soll der Nachfragerückgang nach privaten Kulturangeboten aufgefangen werden und falls ja, welche staatlichen Maßnahmen sind hierfür geeignet?
─ Wie wird der kulturpolitische Haushalt davon tangiert?
Begründung:
Die regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung des Bayerischen Landesamts für Statistik und Datenverarbeitung geht zwar für den Zeitraum 2006 bis 2026 – aufgrund der Zuwanderung aus dem europäischen Ausland – insgesamt noch von einem geringen Anstieg der bayerischen Bevölkerung aus. Doch in der regionalen Entwicklung zeichnen sich gravierende Unterschiede ab: Während in den Großstädten Oberbayerns die Einwohnerzahlen teils um über zehn Prozent ansteigen, verlieren Randgebiete in Nord- und Ostbayern häufig mehr als ein Zehntel ihrer Bevölkerung. Wie im gesamten Bundesgebiet altert die Bevölkerung auch in Bayern dramatisch: Nach Berechnungen des Landesamts wird die Gruppe der 60- bis unter 80-Jährigen von 2002 bis 2030 um über 40 Prozent ansteigen. Logischerweise wird sich die demographische Entwicklung einschneidend auf das kulturelle Leben in Bayern auswirken. Politische Konsequenzen müssen intensiv diskutiert und auf Basis einer soliden Datengrundlage ausgewertet werden. Wünschenswert wäre, dass der Bericht der Staatsregierung auch die herangezogenen demographischen Prognosen (zur Entwicklung der Bevölkerungszahl insgesamt, zur Alterspyramide, zu Stadt-/Landunterschieden und zu Wanderungsprozessen) offen legt.
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