Dringlichkeitsantrag der Abgeordneten Hubert Aiwanger, Tanja Schweiger, Prof. Dr. Michael Piazolo, Dr. Hans Jürgen Fahn und Fraktion (FW)
Studienbedingungen verbessern − Studienbeiträge abschaffen. Politische Leitlinien für die Optimierung des Bologna-Prozesses
Der Landtag wolle beschließen:
Die Staatsregierung wird aufgefordert, Leitlinien für die künftige Ausgestaltung und Optimierung der Bachelor- und Masterstudiengänge an bayerischen Hochschulen vorzulegen. Folgende Aspekte sollen dabei zumindest konkretisiert werden:
─ Zweck eines Bachelor- bzw. Masterstudiums (z.B. Gewichtung zwischen Vorbereitung auf die berufliche Praxis und humanistischer Persönlichkeitsbildung, angestrebter Grad an fachlicher Spezialisierung in Bachelorstudiengängen),
─ Spektrum der Fächer, in denen das Bachelor- und Mastersystem verpflichtend eingeführt werden soll sowie ggf. Zeithorizont und Konzept der Einführung dieses Systems in bisher nicht umgestellten Fächern (Lehrämter, Jura, Medizin),
─ durchschnittlicher Zeitaufwand für einen Bachelorstudierenden pro Semesterwoche,
─ durchschnittliches Betreuungsverhältnis an bayerischen Hochschulen (gemessen als Verhältnis der Professoren sowie Dozenten insgesamt zu den Studierenden an einem Institut),
─ Anteil von und durchschnittlicher zeitlicher Aufwand für Pflichtveranstaltungen sowie freiwillig belegten Veranstaltungen pro Semester,
─ Handhabung der Anerkennung von Leistungen, die an anderen in- und ausländischen Hochschulen erbracht wurden,
─ Maßnahmen zur Förderung von internationaler Mobilität (Stipendien, Pflichtauslandssemester, Partnerhochschulen),
─ Maßnahmen zur Förderung der Finanzierbarkeit eines Studiums (insbesondere Abschaffung von Studienbeiträgen, Vergaben von Stipendien),
─ Maßnahmen zur Förderung des gesellschaftlichen und politischen Engagements von Studierenden in Bayern (z.B. durch die Vergabe von ECTS-Punkten für gemeinnützige Arbeit),
─ Kompetenzverteilung bei der Einrichtung von Studiengängen zwischen Hochschule und Hochschulministerium,
─ Maßnahmen zur Kontrolle der Einhaltung der Rahmenvorgaben (z.B. über die Akkreditierungsagenturen oder die ministerielle Genehmigung von Studiengängen).
Begründung:
Mit der Besetzung von Hörsälen, mit Bildungsstreiks und Demonstrationen machten bayerische Studierende in den letzten Monaten ihre eklatante Unzufriedenheit mit der Umsetzung der Bologna-Reform deutlich. Die Bachelorstudiengänge werden von den Studierenden als überfrachtet und verschult empfunden, eigener Gestaltungsspielraum wird vermisst. Die studentische Mobilität im In- und Ausland wird – entgegen der ursprünglichen Intention der Bologna-Reform – durch mangelnde gegenseitige Anerkennung von Leistungen eingeschränkt. Das Bachelorstudium ist nach Ansicht der Studierenden zu stark auf die spätere berufliche Praxis ausgerichtet, die Studienbeiträge werden als sozial ungerecht empfunden. Diese Forderungen der Studierenden haben in den Medien und auch seitens zahlreicher Politiker viel Zuspruch erhalten. Jetzt muss gehandelt werden. Die Reform der Bachelor- und Masterstudiengänge kann nicht allein Sache der bayerischen Hochschulen sein. Die Gestaltung des Rahmens, in dem die Hochschulen ihre Studiengänge eigenständig optimieren, liegt in der Verantwortung des bayerischen Hochschulministeriums.
Zur Vorgangsmappe auf der Seite des Bayerischen Landtags





